Workshopreihe für Jugendliche: Erinnern und Gedenken im NSU-Komplex

Eine Workshopreihe für Jugendliche anlässlich des zehnten Jahrestags der Selbstenttarnung des NSU

2021 jährt sich die Selbstenttarnung des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ zum zehnten Mal. Die Angehörigen und mit ihnen solidarische Menschen halten die Erinnerung an die vom NSU Ermordeten stetig wach und verhindern, dass ein Schlussstrich unter die Beschäftigung mit dem NSU-Komplex gezogen wird. Sie stellen immer wieder die vielen offenen Fragen und fordern Aufklärung. In dieser Workshopreihe für Jugendliche wollen wir uns mit dem NSU-Komplex, der Bedeutung von Gedenken und Erinnern und der Forderung nach Aufklärung beschäftigen und eigene Formen des (öffentlichen) Gedenkens erproben.


Wann: Sept-Okt
Wo: Je nach Pandemie- und Wetterlage in euren Räumlichkeiten, online oder draußen.


Mögliche Formate:
• 3 Workshop-Tage (Die ersten beiden Workshop-Tage sollten nicht zu weit auseinander liegen. Der dritte kann mit etwas Abstand erfolgen.)
• Mehrere kürzere Termine, bspw. als eine Art AG unter der Woche nachmittags

Finanziert durch: Landeszentrale für politische Bildung Berlin und Doris Wuppermann Stiftung.


Was genau?
So könnte ein möglicher Ablauf der Workshops aussehen.


Erster Workshop-Tag: Kennenlernen und Einführung NSU-Komplex
• Kennenlernen und Organisatorisches

• Einführung in den NSU-Komplex, Fokus auf Perspektiven Betroffener


Zweiter Workshop-Tag: Erinnern und Gedenken im NSU-Komplex
• Welche Bedeutung haben Erinnern und Gedenken im NSU-Komplex?
• Gedenken, Widerstand und Forderungen
• Durchführung eines Actionboundbasierten Stadtrundgang zum NSU-Komplex in Berlin mit
Schwerpunkt Gedenken im öffentlichen Raum und migrantische Selbstorganisierung

Dritter Workshop-Tag: Formen öffentlichen Gedenkens entwickeln und planen
• Entwicklung eigener Formen öffentlichen Gedenkens (*Es soll sich um eine realistisch
durchführbare kleine Form des öffentlichen Gedenkens handeln. Sie kann online oder im
öffentlichen Raum stattfinden.)
• Auswertung des gesamten Workshops mit den Teilnehmenden

Bei Interesse meldet euch bei bilan-berlin [ät] nadir.org
https://bilangegenrechts.wordpress.com/

Solidaritätsnote zum 19. Februar 2021

Liebe Angehörige und Überlebende, 

Liebe Bildungsinitiative Ferhat Unvar, 

Liebe Initiative 19. Februar,

Wir gedenken:  Ferhat Unvar, Hamza Kurtović, Said Nesar Hashemi, Vili Viorel Păun, Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov, Fatih Saraçoğlu, Sedat Gürbüz und Gökhan Gültekin. Heute, am 19. Februar 2021, ist der rassistische Anschlag in Hanau ein Jahr her. Wir möchten euch, liebe Angehörige und Freund:innen, in eurem Schmerz und eurer Trauer beistehen und mit euch Druck aufbauen. Menschen von uns haben Gedenkaktionen und Demos rund um den 19. Februar organisiert und wir nehmen an dem Gedenken heute in verschiedenen Städten teil. 
Klar ist: Hanau war kein Einzelfall. Hanau reiht sich ein in die Kontinuität rechten Terrors – in Deutschland wie auch weltweit. Die rassistischen Brandanschläge in Mölln, der NSU-Komplex, der Anschlag in Christchurch sind nur wenige Beispiele. Es war keine Einzeltat und auch keine Tat eines Einzelnen. Ermöglicht, bedingt und genährt wurde diese durch den Rassismus, der die gesamte Gesellschaft und ihre Institutionen durchdringt. Durch das rassistische Verhalten und Versagen der Sicherheitsapparate vor, während und nach der Tat. Durch das jahrzehntelange Ignorieren der Stimmen der Betroffenen sowie der Gefahr rechten Terrors. Durch die Täter-Opfer-Umkehr, die sich sowohl in Medienberichten kurz nach der Tat als auch u.a. in der Gefährder-Ansprache gegenüber den Hinterbliebenen zeigt. Die Angehörigen und Überlebenden wurden kriminalisiert, während der Vaters des Täters, der dieselbe rassistische und menschenverachtende Ideologie vertritt weiterhin zwei Meter neben der Arena-Bar wohnt. Dieser Einzeltätermythos muss aufgehoben und die rassistischen Strukturen aufgedeckt und bekämpft werden.

Die Forderungen lauten lückenlose Aufklärung, gesellschaftliche Aufarbeitung und politische Konsequenzen!

Das letzte Jahr war nicht nur ein Jahr voller rechter Gewalttaten, voller mörderischem Hass. Es war auch ein Jahr, in dem sich Betroffene zusammengeschlossen, gegenseitig bestärkt und sich Gehör verschafft haben. In dem Aufruf zum 19. Februar schreibt ihr als Kesselstadt, das JUZ, Initiative 19. Februar und viele mehr: „Eine bittere Erkenntnis des letzten Jahres ist, dass all das was in Bewegung geriet, nur durch uns alle gemeinsam in Bewegung gesetzt worden ist.“ Ihr habt viel Bewegung angestoßen. Ihr habt dafür gekämpft, dass die Namen der Opfer nicht vergessen und in die Öffentlichkeit getragen werden. Als Initiative 19.Februar habt ihr Orte des kollektiven Erinnerns und der gegenseitigen Unterstützung  erkämpft und geschaffen. Als Bildungsinitiative Ferhat Unvar unterstützt ihr Menschen, die Rassismus erfahren und fordert eine gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Rassismus ein. 

Wir wollen gemeinsam mit euch Druck aufbauen um Eure Forderungen durchzusetzen. Deshalb rufen wir dazu auf die Forderungen der Angehörigen, Überlebenden und Betroffenen zu unterstützen. Möglichkeiten dies zu tun, sind: die Forderungen der Initiative 19. Februar in die Öffentlichkeit tragen – im Internet oder auf der Straße; die Namen der Todesopfer im öffentlichen Raum sichtbar zu machen; sich Informieren und mit anderen drüber sprechen; die Initiative 19. Februar sowie die Bildungsinitiative Ferhat Unvar durch Geldspenden unterstützen. 

Hanau und der antisemitische, rassistische und misogyne Anschlag in Halle machen deutlich: Ein anderes Erinnern ist möglich und nötig. Ein Erinnern, das Veränderung heißt. Ein Erinnern, das als stetig unabgeschlossener Prozess begriffen wird und auch nach dem 19.2. weitergeführt wird. Eure Kämpfe um Erinnerung wollen wir unterstützen. Die Zukunft gehört den Angehörigen, Überlebenden und Betroffenen mit ihren Wünschen und Bedürfnissen.

Wir erinnern uns an Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtović, Kaloyan Velkov, Mercedes Kierpacz, Said Nesar Hashemi, Sedat Gürbüz und Vili Viorel Păun.

Wir gedenken aller Opfer rassistischer und rechter Gewalt.

In Solidarität, 

Bildungsinitiative Lernen aus dem NSU-Komplex (BiLaN)

Bildungsurlaube 2021

Wie neu ist die Neue Rechte? Analysen und Strategien gegen Rechtsruck und rechten Terror

07.06.2021 – 11.06.2021 in Berlin

Das Erscheinungsbild zahlreicher rechter Gruppierungen und Parteien ist zunehmend bürgerlich, jedoch konterkariert durch eine klar ausgrenzende Sprache und ausgrenzende politische Ideen. Das Seminar beschäftigt sich mit der Entstehungsgeschichte des Rechtspopulismus und der sogenannten „Neuen Rechten“ und stellt dabei ganz bewusst das „Neue“ infrage. Vielmehr gilt es, ideologische Anschlüsse an alte Formen des Rechtsextremismus zu identifizieren und damit auch die veränderten Strategien der Verbreitung ausgrenzenden, rechtsextremen Gedankenguts offen zu legen. Wir sprechen mit Expertinnen, Aktivistinnen und Betroffenen über die Gefahr rechten Terrors nach dem NSU und den Anschlägen in Halle, Hanau und auf Walter Lübcke und fragen nach Möglichkeiten, dem Rechtsruck etwas entgegenzusetzen.

Diese Veranstaltung im Überblick

Beginn: 07.06.2021 um 09:00 Uhr

Ende: 11.06.2021 um 17:00 Uhr

Veranstaltungsort: ARBEIT UND LEBEN Berlin-Brandenburg, Kapweg 4, 13405 Berlin

Teilnehmerbeitrag: 180,00 EUR / 95,00 EUR ermäßigt

Für Mitglieder der NGG Berlin-Brandenburg übernimmt die NGG die Teilnahmegebühren.

Anmeldung:
über Arbeit und Leben Berlin/Brandenburg

Desinformation und Verschwörung

Gesellschaftliche Gefahren von Verschwörungsideologien

25.10. – 29.10.2021 in Hamburg

Verschwörungsideologien prägen seit Jahrhunderten unsere Gesellschaft und zunehmend die Politik. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden geleugnet und als große Verschwörung gedeutet. Welche Überschneidungen gibt es mit rechten Ideologien? Welche Gefahren birgt die Normalisierung dieser Erklärungsmuster? Was bedeutet dies für eine pluralistische Gesellschaft? Und: Was können wir tun? Diese Fragen werden uns beschäftigen.

In Kooperation mit der VHS Hamburg und Arbeit und Leben Hamburg.


Teilnehmerbeitrag: 170,- €, zusätzliche Kosten für ÖPNV

Anmeldung:
über Arbeit und Leben Hamburg

Noch freie Plätze im Bildungsurlaub Hamburg 26. – 30. Oktober 2020

NSU – Walter Lübcke – Christchurch

Rechter Terror in Deutschland und international

Die Aufarbeitung des NSU-Komplexes und Ereignisse der vergangenen Jahren machen deutlich: Rechter Terror ist kein Einzelphänomen.  Er knüpft in Deutschland an die NS-Zeit an und fordert hier wie weltweit immer wieder Verletzte und Tote. In Gesprächen und auf Exkursionen betrachten wir einzelne Fälle und zeigen: Wo Neonazis morden, ist die Gesellschaft beteiligt. Was können wir tun, damit Rechter Terror keine Chance hat?

In Kooperation mit Arbeit und Leben Hamburg, der VHS Hamburg und der BiLaN – Bildungsinitiative Lernen aus dem NSU-Komplex

Zeit & Ort:
26.10. – 30.10.2020

Jugend und Kulturzentrum (JUKZ) am Stintfang
Alfred-Wegener-Weg 3, 20459 Hamburg

Kosten:
150,- €
zusätzliche Kosten für ÖPNV


Anmeldung:
über Arbeit und Leben Hamburg hier

Hinweis wegen der Corona-Pandemie
Wir gehen davon aus, dass der Bildungsurlaub – selbstverständlich mit Hygienekonzept – stattfinden kann.

Bildungsurlaub in München, 2.-6. September 2020

In Zusammenarbeit mit der Christlichen ArbeiterInnenjugend Freiburg gestalten wir als Bildungsinitiative Lernen aus dem NSU-Komplex in diesem Jahr eine Studienfahrt in München. An der Studienfahrt kann jede:r teilnehmen, auch Personen die nicht mit der Christlichen ArbeiterInnenjugend assoziiert sind. Der Bildungsurlaub kostet 120 bis 250 Euro nach Selbsteinschätzung. Alle weiteren Infos findet ihr untenstehend und hier. Bei Fragen oder Unklarheiten meldet euch gerne bei uns.

Bildungsurlaub

Der NSU-Komplex: Kein Schlussstrich nach dem Prozess
vom 2.-6. September 2020
in München

Nach den jüngsten Fällen rassistischer Polizeigewalt in den USA gehen weltweit Menschen unter dem Slogan „Black Lives Matter“ auf die Straßen. Rassismus in Sicherheitsbehörden und rassistische Gewalt gibt es auch hierzulande. Das neonazistische Terror-Netzwerk „NSU“ (Nationalsozialistischer Untergrund), das über Jahre hinweg Morde, Anschläge und Überfälle beging, ist das bislang bekannteste Beispiel. Die Studienfahrt führt uns nach München, wo zwei der Morde begangen wurden, und wo über viele Jahre der Gerichtsprozess gegen einige Mitglieder des NSU stattfand, bis im Juli 2018 das Urteil gesprochen wurde.

Für die Studienfahrt konnten wir zwei Referent*innen von der Bildungsinitiative Lernen aus dem NSU-Komplex (BiLaN) gewinnen. Die werden mit uns ein abwechslungsreiches Programm aus Seminarzeiten im Jugendgästehaus Salesianum (wo wir auch untergebracht sind) und Exkursionen in der Stadt gestalten. Inhaltlich wird es um den NSU-Komplex, um strukturellen Rassismus und um die Kontinuität rechten Terrors in Deutschland gehen. Außerdem beschäftigen wir uns mit den Möglichkeiten öffentlichen Gedenkens und gesellschaftlicher Aufarbeitung.

Ab spätnachmittags habt ihr frei, um auf eigene Faust die Stadt zu erkunden – je nachdem, wonach euch ist, sind auch gemeinsame Unternehmungen oder eine Gedenkandacht möglich. Die gemeinsame Anreise organisieren wir, sobald wir wissen, wo die meisten von euch wohnen (voraussichtlich per Bahn oder Fernbus ab Freiburg und Karlsruhe). Wir verlangen bewusst keinen Festpreis, sondern bitten euch, nach ehrlicher Selbsteinschätzung einen Beitrag zwischen 125- 250 Euro zu zahlen. Sollte das für euch ein Problem sein, meldet euch per Mail – niemand muss aus finanziellen Gründen zuhause bleiben.

Die Studienfahrt wird geleitet von Dorothea Kleintges. Bei Fragen schreibt ihr gerne eine E-Mail an Dorothea.Kleintges@seelsorgeamt-freiburg.de.

Anmeldung

Der Bildungsurlaub ist leider schon ausgebucht. Meldet euch trotzdem hier und lasst euch auf die Warteliste setzen.

Hinweis wegen der Corona-Pandemie

Wir gehen davon aus, dass unsere Studienfahrt – selbstverständlich mit Hygienekonzept – stattfinden kann. Sollte sich die Pandemie-Lage bis Anfang September wieder verschärfen, so dass wir gezwungen sind, die Fahrt abzusagen, entstehen euch dadurch keinerlei Kosten.

In Gedenken an Ferhat Unvar, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtović, Kalojan Velkov, Vili Viorel Păun, Said Nesar Hashemi, Fatih Saraçoğlu und alle Opfer rechter, rassistischer, antisemitischer, antiziganistischer Gewalt. Wir werden sie nicht vergessen.

Wir sind schockiert, traurig und wütend über den schrecklichen rechten Terroranschlag in Hanau. Wir möchten allen Angehörigen und Überlebenden unser tiefstes Mitgefühl ausdrücken. Neun Menschen wurden aus rassistischen Motiven ermordet und weitere verletzt. Der Anschlag vom 19.02.2020 in Hanau reiht sich in eine Serie rechter Gewalt und rechten Terrors in Hessen und bundesweit ein: Der Mord an Walter Lübcke und der versuchte Mord an Bilal M. im Sommer 2019 sowie der Anschlag in Halle am 9. Oktober 2019 sind Schlaglichter allein des letzten Jahres. Sie stehen im Kontext von alltäglicher rechter und rassistischer Gewalt, von ungezählten Angriffen auf Geflüchtetenunterkünfte und von rechtsterroristischen Strukturen bundesweit. Die Gruppe Freital, die kurz vor dem Anschlag in Hanau enttarnte „Gruppe S.“, die unzähligen Berichte über Neonazis in Bundeswehr und Sicherheitsbehörden oder die mit „NSU 2.0“ unterschriebenen Drohungen gegen die Nebenklageanwältin im NSU-Prozess Seda Başay-Yıldız in Frankfurt – das enorme rechte und rassistische Gewaltpotenzial ist offensichtlich und wird doch immer wieder verharmlost. Insbesondere Hessen sticht in den letzten Jahren mehrfach negativ hervor. Hier ist die Aufarbeitung des NSU-Komplexes und insbesondere des Mordes an Halit Yozgat besonders lückenhaft. Indem die hessische Landesregierung die NSU-Akten weiterhin unter Verschluss hält, zeigt sie, dass an einer öffentlichen Aufarbeitung kein Interesse besteht. Eine Friegabe der Akten ist jedoch unerlässlich, um Licht in rechte Strukturen in Hessen zu bringen, Sensibilität für die Alltäglichkeit der Bedrohungen herzustellen und die Wiederholung von Taten zu erschweren.
Denn für all diejenigen, die bedroht und angegriffen werden, ist nichts davon ein „Einzelfall“. Rechte, rassistische, antisemitische und antiziganistische Gewalt ist Teil der alltäglichen Erfahrungen und Bedrohungslagen von Betroffenen. Sie ist Teil einer gesellschaftlichen Struktur. Die Taten werden ermöglicht durch die Offenheit, mit der rassistische, antiziganistische, antisemitische und misogyne Äußerungen getätigt werden sowie durch die Konsequenzlosigkeit und den Zuspruch, die zum Teil auf sie folgen. Der Täter von Hanau mag möglicherweise alleine gehandelt haben. Wie so viele vor ihm war er in seiner rassistischen Weltanschauung allerdings nicht alleine. Die ständige Präsenz völkischer, offen rassistischer Positionen in den Parlamenten und auf der medialen Bühne tragen zu einem gesellschaftlichen Klima bei, in dem sich keine*r der Täter*innen alleine wähnen muss. Gegen ein solches gesellschaftliches Klima kann nur helfen, Rassist*innen und menschenfeindliche Positionen konsequent zu isolieren und auszugrenzen. Stattdessen müssen die Betroffenen rechter Gewalt überall in der Öffentlichkeit, in Zeitungen und Talkshows, bei Podiumsdiskussionen, in den Parteien und in Bildungseinrichtungen zu Wort kommen. Es ist nicht auszuhalten, dass bei offiziellen Gedenkveranstaltungen wie am 20.02.2020 in Hanau ausschließlich Vertreter staatlicher Positionen zu Wort gekommen sind. Alle Aufmerksamkeit und Zeit sollte in diesen Tagen den Betroffenen, Überlebenden und Angehörigen gelten. Ihnen muss zugehört werden.

Serpil Temiz, Mutter von Ferhat Unvar sagt, dass ihr Sohn um umsonst gestorben sein soll. Sie fordert nach dem Anschlag „endlich zu reagieren und die Gesellschaft gegen Rassismus zu erwecken. Das gilt auch für die Blindheit der Verfolgungsbehörden. Es war nicht das erste Mal und ich fürchte, es wird nicht das letzte Mal sein, wenn sich nicht schnell etwas ändert“.

Auch Ajla Kurtovic, Schwester von Hamza Kurtovic verlangt, „dass die Umstände dieses schrecklichen Verbrechens restlos aufgeklärt und die entsprechenden Lehren daraus gezogen, damit sich so eine Tat nicht wiederholen kann.“ Sie ruft dazu auf, „dass wir den den Hass und das Gift namens Rassismus aus unserer Gesellschaft restlos verbannen und wir alle, auch wenn wir unterschiedlicher Glaubensrichtungen angehören, friedlich und glücklich in unserem Land gemeinsam leben können. Dies sind wir der Ermordeten schuldig, und das ist das mindeste, was wir tun können.“

Und Kemal Kocak aus Hanau, der viele der Opfer persönlich kannte, hält uns dazu an, den Ermordeten zu gedenken: „Der Mensch vergisst schnell. Aber diese jungen Menschen, die zum Opfer gefallen sind, dürfen wir nicht vergessen.“

Damit die Trauerreden anlässlich dieser schrecklichen Tat endlich zu längst überfälligen Veränderungen führen, schließen wir uns den Worten der Angehörigen an und fordern:

– Einen jährlichen Gedenk- und Aktionstag am 19. Februar in Hessen und bundesweit, bei der die Angehörigen und Überlebenden eine zentrale Rolle spielen.

– Schnelle, bedingungslose, unbürokratische und dauerhafte finanzielle wie psychosoziale Unterstützung der Überlebenden und Angehörigen. 

– Wir begrüßen die Benennung von Opferbeauftragten durch die Stadt Hanau, fordern aber darüber hinaus die langfristige Unterstützung aller, die von rechter, rassistischer, antisemitischer und antiziganistischer Gewalt betroffen sind. Dazu gehört auch die dauerhafte, von Projektanträgen unabhängige Finanzierung von Opferberatungsstellen, die auch als politische Partner in ihren Forderungen ernst genommen werden müssen. Wir fordern, dass dies endlich durch die Umsetzung eines Demokratiefördergesetzes möglich gemacht wird.

– Ein Ende der Verharmlosung rechter Gewalt und der Bedrohung durch den organisierten Rechtsterrorismus. Die sehr konkreten Bedrohungen von Schwarzen Menschen, People of Color, Kurd*innen, Migrant*innen, Sinti*ze und Rom*nja, Jüdinnen und Juden und Antifaschist*innen und deren Sorgen um ihre Sicherheit müssen ernst genommen werden. Das Handeln der Sicherheitsbehörden muss den Schutz der Betroffenen in den Mittelpunkt stellen. Die wiederkehrende rassistische Kriminalisierung, die sich zuletzt gerade in den öffentlich inszenierten Razzien in Shisha-Bars Bahn gezeigt hat oder in Racial Profiling seit Jahrzehnten Praxis ist, muss ein Ende haben.

Wir stellen diese Forderungen und wissen zugleich, dass auf staatliche Stellen alleine kein Verlass sein wird. Als Teil einer starken, lauten und vielfältigen Zivilgesellschaft wollen und werden wir nicht zum Alltag zurückkehren und die Gesellschaft der Vielen erkämpfen und verteidigen.

Bildungsurlaube 2019

Bildungsurlaub in Berlin vom 3.6.-7.6.2019
Der NSU-Komplex: Kein Schlussstrich nach dem Prozess

Nach mehr als fünf Jahren „NSU-Prozess“ in München wurde im Juli 2018 ein Urteil gesprochen. Für mehrere Angeklagte fiel dieses so mild aus, dass es von Neonazis auf der Besucher*innentribüne beklatscht wurde. Für die Angehörigen und Opfer ist dieses Urteil „ein weiterer Schlag ins Gesicht“ (Elif Kubaşık, Ehefrau des vom NSU ermordeten Mehmet Kubaşık). Auch die von ihnen gewünschte Aufklärung hat der Prozess nicht gebracht. Wer gehört(e) noch zum NSU-Netzwerk? Welche Rolle spielte der Verfassungsschutz? Aus diesem Grund fordern Angehörige und Aktivist*innen, keinen Schlussstrich unter den NSU-Komplex zu ziehen, sondern alle, die den NSU möglich gemacht haben, zur Verantwortung zu ziehen.
Doch was ist der NSU-Komplex? Zwischen 2000 und 2007 wurden in Deutschland zehn Menschen von einem Neonazi-Terrornetzwerk namens „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) ermordet, neun von ihnen aus rassistischen Motiven. Die Täter*innen wurden im Kreis der Angehörigen gesucht, obwohl viele von diesen bereits damals als Motiv Rassismus vermuteten und entsprechende Hinweise gaben. Die Demos, die sie deswegen organisierten, wurden von einem Großteil der Bevölkerung nicht wahrgenommen. Stattdessen haben viele erst 2011 mit der Selbstenttarnung des NSU bemerkt, dass es rechten Terror in Deutschland gibt.
Im Bildungsurlaub wird es um den NSU-Komplex, strukturellen Rassismus, die Kontinuität rassistischer Gewalt und rechten Terrors in Deutschland und um Möglichkeiten des Engagements, des Gedenkens und gesellschaftlicher Aufarbeitung gehen. Dazu werden wir mit unterschiedlichen Aktivist*innen, die sich für Aufklärung im NSU-Komplex einsetzen, ins Gespräch kommen.

Das Seminar wird angeboten von Arbeit und Leben Berlin.
Teilnahmebeitrag: 140 € / 70 € ermäßigt
Zur Anmeldung

Bildungsurlaub in Hamburg vom 14.10. – 18.10.2019
Kontinuitäten des Rechten Terrors
Oktoberfestattentat – NSU – OEZ

Der NSU-Komplex hat gezeigt: Rechter Terror ist kein Einzelphänomen. Er knüpft direkt an die NS-Zeit an und geht bis heute weiter. In Gesprächen und auf Exkursionen legen wir diese Kontinuität offen, betrachten einzelne Fälle (z. B. das Oktoberfestattentat) und schaffen einen Überblick, der zeigt: Wo Neonazis morden, ist die Gesellschaft beteiligt. Was können wir lernen, damit dies nie wieder geschieht?

In Kooperation mit der VHS Hamburg und Arbeit und Leben Hamburg. Seminarnummer: 1941118
Zeitraum: 14.10. – 18.10.2019
Hamburg, VHS-Zentrum Nord
150,- €
Zur Anmeldung

Kein Schlussstrich! NSU-Monologe am 31. Januar im SchauSpielHaus

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Die „NSU-Monologe“ erzählen von den jahrelangen Kämpfen dreier Familien der Opfer des NSU. Die „NSU-Monologe“ sind dokumentarisches, wortgetreues Theater, mal behutsam, mal fordernd, mal wütend – roh und direkt liefern sie uns intime Einblicke in den Kampf der Angehörigen um Wahrheit.

Bereits bevor am 11. Juli 2018 nach 438 Prozesstagen das Urteil gegen die Angeklagten im NSU Prozess gesprochen wurde, resümierte Frau Ayşe Yozgat, die Mutter von Halit Yozgat, der am 6. April 2006 in Kassel erschossen wurde: „Sie haben wie Bienen gearbeitet, aber keinen Honig produziert“. Die Bundesanwaltschaft und das Gericht haben sich geweigert, das Netzwerk des NSU aufzudecken und die Unterstützung des NSU durch die bundesdeutsche Neonaziszene sowie die Rolle der Verfassungsschutzämter aufzuklären. Es kann kein Schlussstrich unter die Geschichte des NSU gezogen werden, denn die Angehörigen der Opfer verlangen Aufklärung.

Im Anschluss an das Stück findet ein Gespräch mit Ceren Türkmen, Imran Ayata und Anderen statt.

Mit dieser Veranstaltung will die Initiative für die Aufklärung des Mordes an Süleyman Taşköprü nach dem Urteil im NSU-Prozess das Thema in Hamburg in der Öffentlichkeit halten, damit kein Schlussstrich unter den NSU-Komplex gezogen wird. Diese Veranstaltung ist eine Kooperation der Bühne für Menschenrechte, die die „NSU-Monologe“ entwickelt haben, und dem DeutschenSchauSpielHaus.

deutsch mit englischen und türkischen Übertiteln

almanca – Türkçe ve İngilizce üst yazılı

„NSU-Monologe“

31. Januar 2019

20 Uhr

DeutschesSchauSpielHaus (Kirchenallee 39, 20099 Hamburg)

Tickets:

Eintritt: 10.00 EUR; ermäßigt 5.00 EUR.

Als Initiative möchten wir, dass möglichst viele Menschen die „NSU-Monologe“ hören und sehen können. Menschen, die nicht soviel zahlen können, können sich vertrauensvoll an uns wenden.

>>> Veranstaltungsseite des SchauSpielHaus

>>> Facebook-Veranstaltung

Neu: Der NSU-Komplex: Kein Schlussstrich nach dem Prozess. Ein Bildungsurlaub in Berlin vom 5.-9.11.2018

Nach mehr als fünf Jahren „NSU-Prozess“ in München wurde im Juli 2018 ein Urteil gesprochen. Für mehrere Angeklagte fiel dieses so mild aus, dass es von Neonazis auf der Besucher*innentribüne beklatscht wurde. Für die Angehörigen und Opfer ist dieses Urteil „ein weiterer Schlag ins Gesicht“ (Elif Kubasik, Ehefrau des vom NSU ermordeten Mehmet Kubasik). Auch die von ihnen gewünschte Aufklärung hat der Prozess nicht gebracht. Wer gehörte noch zum NSU-Netzwerk? Welche Rolle spielte der Verfassungsschutz? Aus diesem Grund fordern Angehörige und Aktivist*innen, keinen Schlussstrich unter den NSU-Komplex zu ziehen, sondern alle, die den NSU möglich gemacht haben, zur Verantwortung zu ziehen. Doch was ist der NSU-Komplex? Zwischen 2000 und 2007 wurden in Deutschland zehn Menschen von einem Neonazi-Terrornetzwerk namens „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) ermordet, neun von ihnen aus rassistischen Motiven. Die Täter*innen wurden im Kreis der Angehörigen gesucht, obwohl viele von diesen bereits damals als Motiv Rassismus vermuteten und entsprechende Hinweise gaben. Die Demos, die sie deswegen organisierten, wurden von einem Großteil der Bevölkerung nicht wahrgenommen. Stattdessen haben viele erst 2011 mit der Selbstenttarnung des NSU bemerkt, dass es rechten Terror in Deutschland gibt. Im Bildungsurlaub wird es um den NSU-Komplex, strukturellen Rassismus, die Kontinuität rassistischer Gewalt und rechten Terrors in Deutschland und um Möglichkeiten des Engagements, des Gedenkens und gesellschaftlicher Aufarbeitung gehen. Dazu werden wir mit unterschiedlichen Aktivist*innen, die sich für Aufklärung im NSU-Komplex einsetzen, ins Gespräch kommen.

Das Seminar wird angeboten von Arbeit und Leben Berlin. Anmeldung unter: http://www.berlin.arbeitundleben.de/56004/veranstaltungen.html  (Bildungsurlaub auswählen, am Ende der Seminarbeschreibung „Zu diesem Seminar anmelden“ klicken).

Teilnahmebeitrag: 130 € / 65 € ermäßigt

Veranstaltungsort: DGB-Haus Berlin

Bildungsurlaub: NSU-Tatort Hamburg. Die Aufklärung ist noch nicht vorbei vom 22.10. bis 26.10.2018 in Hamburg

In Kooperation mit der VHS Hamburg und der Arbeit und Leben Hamburg bieten wir vom 22.10. bis 26.10.2018 wieder einen Bildungsurlaub in Hamburg an.

Aus dem Ankündigungstext:

„Im November 2011 flog der »Nationalsozialistische Untergrund« (NSU) auf. Doch was geschah vorher und danach? Die Geschichte des NSU beginnt Anfang der 90er Jahre. Zwischen 2000 und 2007 ermordeten NSU-Mitgieder 10 Menschen, ein großes Netztwerk war beteiligt. Wir sprechen über die Kontinuität rassistischer Gewalt, alltäglichen Rassismus und die Aufklärung der NSU-Morde. Wir besuchen Gedenk- und Tatorte und diskutieren Möglichkeiten des Gedenkens und des Engagements gegen Rechts.“

Informationen zu Bildungsurlaub in Hamburg und weiteren Angeboten finden sich auf den Seiten von Arbeit und Leben Hamburg. Dort findet sich auch das Anmeldeformular. Anmeldungen sind nur über Arbeit und Leben Hamburg möglich.