Taking space for reflection

Zur Bildungsarbeit von Teamer*innen mit Rassismus- und/ oder Antisemitismuserfahrungen

  1. Veranstaltung

In der ersten zwei-stündigen Abendveranstaltung in Kooperation von Bilan Hamburg und Bilan Frankfurt möchten wir einen Raum für Austausch und Reflexion von und für BIPoC Teamer*innen in der politischen Bildung eröffnen. Dabei wollen wir euch die Arbeit und Struktur von Bilan vorstellen. Wir möchten über unsere Erfahrungen und Perspektiven sprechen und gemeinsam erarbeiten, was uns in der Bildungsarbeit wichtig ist. Als Bilan ist uns ein niedrigschwelliger Zugang wichtig, daher möchten wir das Angebot auch an BIPoC richten, die noch nicht als Teamer*innen gearbeitet haben.

Online 14.10 18-20 Uhr

  1. Veranstaltung

In der darauffolgenden drei-stündigen Abendveranstaltung wollen wir uns näher mit traumasensibler Bildungsarbeit beschäftigen. Hierfür schauen wir uns konkrete Methoden von Bilan an und besprechen mögliche Fallstricke. Im Fokus dieser Sitzung steht vor allem die Frage, wie wir als BIPoC Teamer*innen einen pädagogischer Raum schaffen, in dem das Potenzial möglicher Verletzungen auf Grund eigener und zielgruppenspezifischer Betroffenheit verringert werden kann. Dabei besprechen wir die Grenzen und Möglichkeiten unserer Arbeit und konzentrieren uns auf unsere Bedürfnisse.

Online 21.10 17-20 Uhr

BiLaN – „Bildungsinitiative Lernen aus dem NSU-Komplex“ ist ein Netzwerk von Multiplikator*innen der politischen Bildungsarbeit. Wir verstehen unsere Arbeit als Schnittstelle zwischen Bildungsarbeit und Aktivismus. Durch unsere Bildungsangebote und unser Engagement zeigen wir uns solidarisch mit den Angehörigen der Mordopfer, den Überlebenden der NSU-Anschläge und den Betroffenen von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt. Das bedeutet für uns, nicht nur die Geschichten und Perspektiven der Betroffenen zur Grundlage unserer Methoden und Inhalte zu machen, sondern darüber hinaus auch aktiv Kooperationen mit Betroffenen-Initiativen aufzubauen und ihre Kämpfe und ihr Gedenken zu unterstützen. Aus dem NSU-Komplex zu lernen, heißt für uns, rassismuskritische Reflexion, Solidarität mit den Betroffenen und Unterstützung ihrer Anliegen.

Durch das digitale Format sind Menschen bundesweit und von außerhalb herzlich willkommen.

Referent*innen: Özge Özdemir und Julia Alkanaan

Die Teilnehmer*innenzahl ist auf 15 Personen begrenzt. Es würde sich anbieten an beiden Veranstaltungen teilzunehmen, aber es ist nicht zwangsläufig notwendig.

Anmeldung bitte unter: bilan-hamburg@nadir.org bis 13.10 18 Uhr


Kooperationsveranstaltung der Bildungsinitiative Lernen aus dem
NSU-Komplex (BiLaN) und des dock europe e.V. Internationales
Bildungszentrum im Rahmen der Reihe „Was WEISS ich? Rassismuskritisch
denken lernen!“ vom AdB e.v gefördert vom Bundesministerium für Familie,
Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).



Workshopreihe für Jugendliche: Erinnern und Gedenken im NSU-Komplex

Eine Workshopreihe für Jugendliche anlässlich des zehnten Jahrestags der Selbstenttarnung des NSU

2021 jährt sich die Selbstenttarnung des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ zum zehnten Mal. Die Angehörigen und mit ihnen solidarische Menschen halten die Erinnerung an die vom NSU Ermordeten stetig wach und verhindern, dass ein Schlussstrich unter die Beschäftigung mit dem NSU-Komplex gezogen wird. Sie stellen immer wieder die vielen offenen Fragen und fordern Aufklärung. In dieser Workshopreihe für Jugendliche wollen wir uns mit dem NSU-Komplex, der Bedeutung von Gedenken und Erinnern und der Forderung nach Aufklärung beschäftigen und eigene Formen des (öffentlichen) Gedenkens erproben.


Wann: Sept-Okt
Wo: Je nach Pandemie- und Wetterlage in euren Räumlichkeiten, online oder draußen.


Mögliche Formate:
• 3 Workshop-Tage (Die ersten beiden Workshop-Tage sollten nicht zu weit auseinander liegen. Der dritte kann mit etwas Abstand erfolgen.)
• Mehrere kürzere Termine, bspw. als eine Art AG unter der Woche nachmittags

Finanziert durch: Landeszentrale für politische Bildung Berlin und Doris Wuppermann Stiftung.


Was genau?
So könnte ein möglicher Ablauf der Workshops aussehen.


Erster Workshop-Tag: Kennenlernen und Einführung NSU-Komplex
• Kennenlernen und Organisatorisches

• Einführung in den NSU-Komplex, Fokus auf Perspektiven Betroffener


Zweiter Workshop-Tag: Erinnern und Gedenken im NSU-Komplex
• Welche Bedeutung haben Erinnern und Gedenken im NSU-Komplex?
• Gedenken, Widerstand und Forderungen
• Durchführung eines Actionboundbasierten Stadtrundgang zum NSU-Komplex in Berlin mit
Schwerpunkt Gedenken im öffentlichen Raum und migrantische Selbstorganisierung

Dritter Workshop-Tag: Formen öffentlichen Gedenkens entwickeln und planen
• Entwicklung eigener Formen öffentlichen Gedenkens (*Es soll sich um eine realistisch
durchführbare kleine Form des öffentlichen Gedenkens handeln. Sie kann online oder im
öffentlichen Raum stattfinden.)
• Auswertung des gesamten Workshops mit den Teilnehmenden

Bei Interesse meldet euch bei bilan-berlin [ät] nadir.org
https://bilangegenrechts.wordpress.com/

Solidaritätsnote zum 19. Februar 2021

Liebe Angehörige und Überlebende, 

Liebe Bildungsinitiative Ferhat Unvar, 

Liebe Initiative 19. Februar,

Wir gedenken:  Ferhat Unvar, Hamza Kurtović, Said Nesar Hashemi, Vili Viorel Păun, Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov, Fatih Saraçoğlu, Sedat Gürbüz und Gökhan Gültekin. Heute, am 19. Februar 2021, ist der rassistische Anschlag in Hanau ein Jahr her. Wir möchten euch, liebe Angehörige und Freund:innen, in eurem Schmerz und eurer Trauer beistehen und mit euch Druck aufbauen. Menschen von uns haben Gedenkaktionen und Demos rund um den 19. Februar organisiert und wir nehmen an dem Gedenken heute in verschiedenen Städten teil. 
Klar ist: Hanau war kein Einzelfall. Hanau reiht sich ein in die Kontinuität rechten Terrors – in Deutschland wie auch weltweit. Die rassistischen Brandanschläge in Mölln, der NSU-Komplex, der Anschlag in Christchurch sind nur wenige Beispiele. Es war keine Einzeltat und auch keine Tat eines Einzelnen. Ermöglicht, bedingt und genährt wurde diese durch den Rassismus, der die gesamte Gesellschaft und ihre Institutionen durchdringt. Durch das rassistische Verhalten und Versagen der Sicherheitsapparate vor, während und nach der Tat. Durch das jahrzehntelange Ignorieren der Stimmen der Betroffenen sowie der Gefahr rechten Terrors. Durch die Täter-Opfer-Umkehr, die sich sowohl in Medienberichten kurz nach der Tat als auch u.a. in der Gefährder-Ansprache gegenüber den Hinterbliebenen zeigt. Die Angehörigen und Überlebenden wurden kriminalisiert, während der Vaters des Täters, der dieselbe rassistische und menschenverachtende Ideologie vertritt weiterhin zwei Meter neben der Arena-Bar wohnt. Dieser Einzeltätermythos muss aufgehoben und die rassistischen Strukturen aufgedeckt und bekämpft werden.

Die Forderungen lauten lückenlose Aufklärung, gesellschaftliche Aufarbeitung und politische Konsequenzen!

Das letzte Jahr war nicht nur ein Jahr voller rechter Gewalttaten, voller mörderischem Hass. Es war auch ein Jahr, in dem sich Betroffene zusammengeschlossen, gegenseitig bestärkt und sich Gehör verschafft haben. In dem Aufruf zum 19. Februar schreibt ihr als Kesselstadt, das JUZ, Initiative 19. Februar und viele mehr: „Eine bittere Erkenntnis des letzten Jahres ist, dass all das was in Bewegung geriet, nur durch uns alle gemeinsam in Bewegung gesetzt worden ist.“ Ihr habt viel Bewegung angestoßen. Ihr habt dafür gekämpft, dass die Namen der Opfer nicht vergessen und in die Öffentlichkeit getragen werden. Als Initiative 19.Februar habt ihr Orte des kollektiven Erinnerns und der gegenseitigen Unterstützung  erkämpft und geschaffen. Als Bildungsinitiative Ferhat Unvar unterstützt ihr Menschen, die Rassismus erfahren und fordert eine gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Rassismus ein. 

Wir wollen gemeinsam mit euch Druck aufbauen um Eure Forderungen durchzusetzen. Deshalb rufen wir dazu auf die Forderungen der Angehörigen, Überlebenden und Betroffenen zu unterstützen. Möglichkeiten dies zu tun, sind: die Forderungen der Initiative 19. Februar in die Öffentlichkeit tragen – im Internet oder auf der Straße; die Namen der Todesopfer im öffentlichen Raum sichtbar zu machen; sich Informieren und mit anderen drüber sprechen; die Initiative 19. Februar sowie die Bildungsinitiative Ferhat Unvar durch Geldspenden unterstützen. 

Hanau und der antisemitische, rassistische und misogyne Anschlag in Halle machen deutlich: Ein anderes Erinnern ist möglich und nötig. Ein Erinnern, das Veränderung heißt. Ein Erinnern, das als stetig unabgeschlossener Prozess begriffen wird und auch nach dem 19.2. weitergeführt wird. Eure Kämpfe um Erinnerung wollen wir unterstützen. Die Zukunft gehört den Angehörigen, Überlebenden und Betroffenen mit ihren Wünschen und Bedürfnissen.

Wir erinnern uns an Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtović, Kaloyan Velkov, Mercedes Kierpacz, Said Nesar Hashemi, Sedat Gürbüz und Vili Viorel Păun.

Wir gedenken aller Opfer rassistischer und rechter Gewalt.

In Solidarität, 

Bildungsinitiative Lernen aus dem NSU-Komplex (BiLaN)

Bildungsurlaube 2021

Wie neu ist die Neue Rechte? Analysen und Strategien gegen Rechtsruck und rechten Terror

07.06.2021 – 11.06.2021 in Berlin

Das Erscheinungsbild zahlreicher rechter Gruppierungen und Parteien ist zunehmend bürgerlich, jedoch konterkariert durch eine klar ausgrenzende Sprache und ausgrenzende politische Ideen. Das Seminar beschäftigt sich mit der Entstehungsgeschichte des Rechtspopulismus und der sogenannten „Neuen Rechten“ und stellt dabei ganz bewusst das „Neue“ infrage. Vielmehr gilt es, ideologische Anschlüsse an alte Formen des Rechtsextremismus zu identifizieren und damit auch die veränderten Strategien der Verbreitung ausgrenzenden, rechtsextremen Gedankenguts offen zu legen. Wir sprechen mit Expertinnen, Aktivistinnen und Betroffenen über die Gefahr rechten Terrors nach dem NSU und den Anschlägen in Halle, Hanau und auf Walter Lübcke und fragen nach Möglichkeiten, dem Rechtsruck etwas entgegenzusetzen.

Diese Veranstaltung im Überblick

Beginn: 07.06.2021 um 09:00 Uhr

Ende: 11.06.2021 um 17:00 Uhr

Veranstaltungsort: ARBEIT UND LEBEN Berlin-Brandenburg, Kapweg 4, 13405 Berlin

Teilnehmerbeitrag: 180,00 EUR / 95,00 EUR ermäßigt

Für Mitglieder der NGG Berlin-Brandenburg übernimmt die NGG die Teilnahmegebühren.

Anmeldung:
über Arbeit und Leben Berlin/Brandenburg

Desinformation und Verschwörung

Gesellschaftliche Gefahren von Verschwörungsideologien

25.10. – 29.10.2021 in Hamburg

Verschwörungsideologien prägen seit Jahrhunderten unsere Gesellschaft und zunehmend die Politik. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden geleugnet und als große Verschwörung gedeutet. Welche Überschneidungen gibt es mit rechten Ideologien? Welche Gefahren birgt die Normalisierung dieser Erklärungsmuster? Was bedeutet dies für eine pluralistische Gesellschaft? Und: Was können wir tun? Diese Fragen werden uns beschäftigen.

In Kooperation mit der VHS Hamburg und Arbeit und Leben Hamburg.


Teilnehmerbeitrag: 170,- €, zusätzliche Kosten für ÖPNV

Anmeldung:
über Arbeit und Leben Hamburg

In Gedenken an Ferhat Unvar, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtović, Kalojan Velkov, Vili Viorel Păun, Said Nesar Hashemi, Fatih Saraçoğlu und alle Opfer rechter, rassistischer, antisemitischer, antiziganistischer Gewalt. Wir werden sie nicht vergessen.

Wir sind schockiert, traurig und wütend über den schrecklichen rechten Terroranschlag in Hanau. Wir möchten allen Angehörigen und Überlebenden unser tiefstes Mitgefühl ausdrücken. Neun Menschen wurden aus rassistischen Motiven ermordet und weitere verletzt. Der Anschlag vom 19.02.2020 in Hanau reiht sich in eine Serie rechter Gewalt und rechten Terrors in Hessen und bundesweit ein: Der Mord an Walter Lübcke und der versuchte Mord an Bilal M. im Sommer 2019 sowie der Anschlag in Halle am 9. Oktober 2019 sind Schlaglichter allein des letzten Jahres. Sie stehen im Kontext von alltäglicher rechter und rassistischer Gewalt, von ungezählten Angriffen auf Geflüchtetenunterkünfte und von rechtsterroristischen Strukturen bundesweit. Die Gruppe Freital, die kurz vor dem Anschlag in Hanau enttarnte „Gruppe S.“, die unzähligen Berichte über Neonazis in Bundeswehr und Sicherheitsbehörden oder die mit „NSU 2.0“ unterschriebenen Drohungen gegen die Nebenklageanwältin im NSU-Prozess Seda Başay-Yıldız in Frankfurt – das enorme rechte und rassistische Gewaltpotenzial ist offensichtlich und wird doch immer wieder verharmlost. Insbesondere Hessen sticht in den letzten Jahren mehrfach negativ hervor. Hier ist die Aufarbeitung des NSU-Komplexes und insbesondere des Mordes an Halit Yozgat besonders lückenhaft. Indem die hessische Landesregierung die NSU-Akten weiterhin unter Verschluss hält, zeigt sie, dass an einer öffentlichen Aufarbeitung kein Interesse besteht. Eine Friegabe der Akten ist jedoch unerlässlich, um Licht in rechte Strukturen in Hessen zu bringen, Sensibilität für die Alltäglichkeit der Bedrohungen herzustellen und die Wiederholung von Taten zu erschweren.
Denn für all diejenigen, die bedroht und angegriffen werden, ist nichts davon ein „Einzelfall“. Rechte, rassistische, antisemitische und antiziganistische Gewalt ist Teil der alltäglichen Erfahrungen und Bedrohungslagen von Betroffenen. Sie ist Teil einer gesellschaftlichen Struktur. Die Taten werden ermöglicht durch die Offenheit, mit der rassistische, antiziganistische, antisemitische und misogyne Äußerungen getätigt werden sowie durch die Konsequenzlosigkeit und den Zuspruch, die zum Teil auf sie folgen. Der Täter von Hanau mag möglicherweise alleine gehandelt haben. Wie so viele vor ihm war er in seiner rassistischen Weltanschauung allerdings nicht alleine. Die ständige Präsenz völkischer, offen rassistischer Positionen in den Parlamenten und auf der medialen Bühne tragen zu einem gesellschaftlichen Klima bei, in dem sich keine*r der Täter*innen alleine wähnen muss. Gegen ein solches gesellschaftliches Klima kann nur helfen, Rassist*innen und menschenfeindliche Positionen konsequent zu isolieren und auszugrenzen. Stattdessen müssen die Betroffenen rechter Gewalt überall in der Öffentlichkeit, in Zeitungen und Talkshows, bei Podiumsdiskussionen, in den Parteien und in Bildungseinrichtungen zu Wort kommen. Es ist nicht auszuhalten, dass bei offiziellen Gedenkveranstaltungen wie am 20.02.2020 in Hanau ausschließlich Vertreter staatlicher Positionen zu Wort gekommen sind. Alle Aufmerksamkeit und Zeit sollte in diesen Tagen den Betroffenen, Überlebenden und Angehörigen gelten. Ihnen muss zugehört werden.

Serpil Temiz, Mutter von Ferhat Unvar sagt, dass ihr Sohn um umsonst gestorben sein soll. Sie fordert nach dem Anschlag „endlich zu reagieren und die Gesellschaft gegen Rassismus zu erwecken. Das gilt auch für die Blindheit der Verfolgungsbehörden. Es war nicht das erste Mal und ich fürchte, es wird nicht das letzte Mal sein, wenn sich nicht schnell etwas ändert“.

Auch Ajla Kurtovic, Schwester von Hamza Kurtovic verlangt, „dass die Umstände dieses schrecklichen Verbrechens restlos aufgeklärt und die entsprechenden Lehren daraus gezogen, damit sich so eine Tat nicht wiederholen kann.“ Sie ruft dazu auf, „dass wir den den Hass und das Gift namens Rassismus aus unserer Gesellschaft restlos verbannen und wir alle, auch wenn wir unterschiedlicher Glaubensrichtungen angehören, friedlich und glücklich in unserem Land gemeinsam leben können. Dies sind wir der Ermordeten schuldig, und das ist das mindeste, was wir tun können.“

Und Kemal Kocak aus Hanau, der viele der Opfer persönlich kannte, hält uns dazu an, den Ermordeten zu gedenken: „Der Mensch vergisst schnell. Aber diese jungen Menschen, die zum Opfer gefallen sind, dürfen wir nicht vergessen.“

Damit die Trauerreden anlässlich dieser schrecklichen Tat endlich zu längst überfälligen Veränderungen führen, schließen wir uns den Worten der Angehörigen an und fordern:

– Einen jährlichen Gedenk- und Aktionstag am 19. Februar in Hessen und bundesweit, bei der die Angehörigen und Überlebenden eine zentrale Rolle spielen.

– Schnelle, bedingungslose, unbürokratische und dauerhafte finanzielle wie psychosoziale Unterstützung der Überlebenden und Angehörigen. 

– Wir begrüßen die Benennung von Opferbeauftragten durch die Stadt Hanau, fordern aber darüber hinaus die langfristige Unterstützung aller, die von rechter, rassistischer, antisemitischer und antiziganistischer Gewalt betroffen sind. Dazu gehört auch die dauerhafte, von Projektanträgen unabhängige Finanzierung von Opferberatungsstellen, die auch als politische Partner in ihren Forderungen ernst genommen werden müssen. Wir fordern, dass dies endlich durch die Umsetzung eines Demokratiefördergesetzes möglich gemacht wird.

– Ein Ende der Verharmlosung rechter Gewalt und der Bedrohung durch den organisierten Rechtsterrorismus. Die sehr konkreten Bedrohungen von Schwarzen Menschen, People of Color, Kurd*innen, Migrant*innen, Sinti*ze und Rom*nja, Jüdinnen und Juden und Antifaschist*innen und deren Sorgen um ihre Sicherheit müssen ernst genommen werden. Das Handeln der Sicherheitsbehörden muss den Schutz der Betroffenen in den Mittelpunkt stellen. Die wiederkehrende rassistische Kriminalisierung, die sich zuletzt gerade in den öffentlich inszenierten Razzien in Shisha-Bars Bahn gezeigt hat oder in Racial Profiling seit Jahrzehnten Praxis ist, muss ein Ende haben.

Wir stellen diese Forderungen und wissen zugleich, dass auf staatliche Stellen alleine kein Verlass sein wird. Als Teil einer starken, lauten und vielfältigen Zivilgesellschaft wollen und werden wir nicht zum Alltag zurückkehren und die Gesellschaft der Vielen erkämpfen und verteidigen.

Bildungsbaustein: Rassismus als Terror, Struktur und Einstellung erschienen

Unter dem Titel hat Rassismus als Terror, Struktur und Einstellung. Bildungsbaustein mit Methoden zum NSU-Komplex. Kontinuitäten, Widersprüche und Suchbewegungen haben das Mobile Beratungsteam gegen Rechtsextremismus und empower Beratungsstelle für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt  von Arbeit und Leben Hamburg eine Broschüre zum NSU-Komplex für Multiplikator_innen herausgegeben. Die Broschüre kann bestellt werden und hier als pdf eingesehen werden.

 

Tribunal NSU-Komplex auflösen

Entstanden aus Initiativen und Einzelpersonen, die mit den Betroffenen der NSU-Mord- und Anschlagserie solidarisch verbunden sind, entstand die Idee eines Tribunals als Ort der gesellschaftlichen Anklage. Dieses Tribunal wird vom 17.-21. Mai 2017 in Köln stattfinden. Wir laden alle ein, die sich der Anklage gegen Rassismus anschließen möchten, ihre Geschichte mit uns zu teilen, eine Gegenerzählung zu entwerfen und uns noch stärker zu vernetzen. Unser Ziel ist es, die rassistische Spaltung dieser Gesellschaft zu überwinden und gemeinsam für ein gutes Leben einzustehen. Sei ein Teil dieser Klage. http://nsu-tribunal.de/

JETZT SPENDEN: Es werden 15.000€ bis zum Monatsende benötigt!

Die Vorbereitung des Tribunals kostet Geld. Auch wenn fast alles ehrenamtlich geleistet und kostensparend geplant wird, gibt es Kosten, die schon jetzt im Vorfeld anfallen. Deswegen wurde eine Fundraising-Kampagne bei betterplace ins Leben gerufen. Ganz unkompliziert können so 5, 10, 50 oder mehr Euros gespendet werden. Ermögliche das Tribunal mit deiner Spende!